Stillgruppe Pauline
    
   



  

Ammenmärchen

Viele Missverständnisse und Legenden, sogenannte Ammenmärchen, rund um das Stillen verunsichern viele Frauen Trotz Aufklärung werden diese Fehlinformationen immer noch an Mütter weitergegeben. Sicherlich sind auch dir einige dieser Ammenmärchen geläufig.


1) Frauen mit einer kleinen Brust können nicht stillen oder erzeugen weniger Milch als solche, die eine große Brust haben.

2) Durch das Stillen werden die Brüste schlaff und man bekommt einen Hängebusen.
3) Frauen mit Flach- oder Hohlwarzen können nicht stillen.
4) Die Trinkmenge der Mutter beeinflusst die Milchmenge.
5) Abends reicht meist die Milch nicht aus.
6) Zwischen den Stillmahlzeiten muss ein zeitlicher Abstand von zwei Stunden eingehalten werden, sonst bekommen die Kinder Bauchweh.
7) Gestillte Babys leiden oft an "Koliken".
8) Babys müssen abends richtig satt und vollgefüllt sein, dann schlafen sie „durch“.
9) Meine Milch sieht zu dünn und wässrig aus. Sie ist schlecht für mein Kind. Es wird nicht satt.
10) Muttermilch enthält nicht genug Eisen für das Baby.
11) Moderne Flaschenmilch ist fast so gut wie Muttermilch.
12) Stillen ist schmerzhaft!
13) Stillen ist kraftraubend und zehrt die Mutter aus, „das Kind saugt die Mutter aus“.
14) Die Mutter sollte nicht als Schnuller für das Kind dienen.
15) Langes Stillen - über ein Jahr hinaus - verzieht die Kinder.
16) Stillen in der Öffentlichkeit ist eine Schande.
17) Ein Kind bis zum Alter von 3 oder 4 Jahren zu stillen, ist abnormal und schädlich für das Kind.
18) Stillen ist Schuld an allem.


1) Frauen mit einer kleinen Brust können nicht stillen oder erzeugen weniger Milch als solche, die eine große Brust haben.

Tatsache :Die Größe der Brust wird durch die Menge des Fettgewebes bestimmt und nicht durch den Milchdrüsenkörper, der für das Stillen entscheident ist.Dieser ist bei fast allen Frauen etwa gleich groß.

2) Durch das Stillen werden die Brüste schlaff und man bekommt einen Hängebusen.

Tatsache :Da die Form der Brust genetisch festgelegt ist, hat das Stillen auch keinen Einfluss darauf. In der Schwangerschaft wird die Brust auf das Stillen vorbereitet, die Milchdrüsen der Brust werden größer, unabhängig davon ob die Frau nach der Geburt stillt oder nicht. Nach der Schwangerschaft oder Stillzeit bildet sich das Drüsengewebe wieder zurück und mehr Fett wird eingebaut. Dies kann einige Zeit dauern. Danach hat die Brust wieder ihre Form. Die größten Veränderungen passieren somit durch die Schwangerschaft und allgemein durch das Älterwerden. Wer keine Veränderung an der Brust möchte, muss beides verhindern.

3) Frauen mit Flach- oder Hohlwarzen können nicht stillen.

Tatsache :Babys trinken nicht an der Brustwarze, sondern an der Brust. Deshalb ist es egal, welche Form deine Brustwarze hat, stillen ist immer möglich! Vielleicht wird dir sofort nach der Geburt ein Stillhütchen angeboten, weil deine Brustwarzen „zu flach“ für dein Kind sind. Wenn es auch eine Lösung zu sein scheint, solltest du es möglichst nicht in den ersten Tagen verwenden. Stillhütchen können dein Baby daran hindern, genügend Milch aus der Brust zu bekommen und auch die Stimulation für die ausreichende Milchmenge kann reduziert sein.

4) Die Trinkmenge der Mutter beeinflusst die Milchmenge.

Tatsache :Man kann durch vermehrtes Trinken die Milchmenge nicht steigern, noch durch wenig Trinken die Milchmenge verringern bzw. abstillen Das Wenigtrinken schadet nur der Mutter, es beeinträchtigt den Kreislauf und die Frauen fühlen sich schlecht. Du solltest dich nach deinem Durstgefühl richten.

5) Abends reicht meist die Milch nicht aus.

Tatsache :In der ganzen Welt sind die Kinder abends unruhiger. Dabei spielt die Ernährungsform keine Rolle. Sie beginnen den Tag zu verarbeiten und essen gleichzeitig in vielen kleinen Portionen ihr Abendmahl. Danach schlafen sie oft bis zu fünf Stunden. Durch das häufige Trinken reservieren sie sich gleichzeitig die Milch für den nächsten Tag.

6) Zwischen den Stillmahlzeiten muss ein zeitlicher Abstand von zwei Stunden eingehalten werden, sonst bekommen die Kinder Bauchweh.

Tatsache :Eine Behauptung, die willkürlich festgelegt wurde. Der Urheber ist nicht bekannt, es entspricht aber keiner wissenschaftlichen Begründung. Dieses Märchen hält sich nach wie vor hartnäckig auch bei Fachpersonal und Kinderärzten. Kürzere Abstände der Stillmahlzeiten machen keine Bauchschmerzen, auch dann nicht, wenn der Magen nicht ganz entleert war. Wenn das stimmen würde, dürften wir uns auch keinen Nachtisch gönnen, da unser Magen noch gefüllt ist Bei Muttermilch sind kurze Stillabstände auf alle Fälle erlaubt. Lass dein Kind nicht unnötig hungern, wenn es noch einen Nachschlag möchte.

7) Gestillte Babys leiden oft an "Koliken".

Tatsache :Gestillte Babys leiden nicht häufiger an Koliken wie mit der Flasche ernährte Kinder. Häufige Unruhe bei den Babys sind nicht immer Koliken, es gibt eine Vielzahl von Gründen. Die Ernährung spielt meist nur eine geringfügige Rolle. Meist sind es die flaschenernährten Kinder, die die Milch nicht vertragen und mit Bauchweh reagieren.

8) Babys müssen abends richtig satt und vollgefüllt sein, dann schlafen sie „durch“.

Tatsache :Die Industrie verbreitet solche Lügenmärchen, um Eltern dazu zu bringen, ihren Kindern früher ein „Gute-Nacht-Brei“ zu geben. Oder aber zusätzlich zum Stillen abends noch eine Flasche mit künstlicher Milch zu füttern. Doch leider funktioniert es weder bei uns Erwachsenen, noch bei den Babys. Wir Erwachsene sollen abends eine leichte Kost zu uns nehmen, um besser schlafen zu können. Das gleiche gilt auch für unsere Kinder. Der Brei liegt höchstens „schwer im Magen“. Babys haben ein anderes Schlafverhalten als Erwachsene, sie werden nachts meist nicht deshalb wach, weil sie Hunger haben sondern aus anderen Gründen.

9) Meine Milch sieht zu dünn und wässrig aus. Sie ist schlecht für mein Kind. Es wird nicht satt.

Tatsache :Wie bei allen Frauen entspricht deine Muttermilch den Bedürfnissen des Babys. In den ersten Tagen ist deine Milch dick und cremig, später ändert sich das Aussehen. Lässt man abgepumpte Milch stehen, setzt sich das Fett oben ab, die Milch darunter sieht eventuell leicht bläulich aus. Das ist normal. Durch vorsichtiges Erwärmen und leichtes Schütteln löst sich das Fett wieder in der Flüssigkeit.
Deine Milch enthält zu 85 % Wasser, um den Flüssigkeitsbedarf zu decken. Die anderen Bestandteile setzen sich größtenteils aus Fett, Milchzucker und Eiweiß zusammen, genau in der für Menschenbabys notwendigen Menge

10) Muttermilch enthält nicht genug Eisen für das Baby.

Tatsache :Muttermilch enthält genau die Menge an Eisen, die dein Baby braucht. Ein Baby, das termingerecht auf die Welt gekommen ist, wird durch die Muttermilch mindestens für die ersten sechs Monate mit genügend Eisen versorgt.

11) Moderne Flaschenmilch ist fast so gut wie Muttermilch.

Tatsache :Moderne Milchersatzprodukte sind der Muttermilch nur oberflächlich ähnlich, sie sind im Grunde genommen eine ungenaue Kopie dessen, was Muttermilch überhaupt ist. Sie enthalten alle notwendigen Hauptnährstoffe, aber es fehlen Antikörper, lebende Zellen, Enzyme, Hormone etc. Viele Inhaltsstoffe der Muttermilch sind noch gar nicht synthetisiert und viele erst durch neue Messmethoden und –geräte entdeckt worden, diese werden erst jetzt der Flaschenmilch zugegeben. Aber die Industrie preist jeden neuen Stoff als tollen Fortschritt an, dabei sind diese Stoffe in der Muttermilch ganz selbstverständlich enthalten. Muttermilch wird genau den Bedürfnissen des Babys entsprechend produziert. Synthetische Milch hingegen wird mit dem Ziel hergestellt, den Bedürfnissen aller Babys zu entsprechen, also keinem. Alles was Flaschenmilch bieten kann, ist Babys schön wachsen zu lassen, aber Stillen bietet weit mehr.

12) Stillen ist schmerzhaft!

Tatsache :In den ersten Tagen können die Brustwarzen durch die ungewohnte Beanspruchung etwas gereizt und empfindlich reagieren. Meist vergeht diese Empfindlichkeit, wenn mehr Milch fließt. Aber jeder Schmerz, der nicht nur ganz leicht ist, ist nicht normal, und fast immer ein Warnzeichen, dass das Baby nicht richtig angelegt ist. Ein Schmerz an den Brustwarzen, der sich nicht innerhalb von 3 oder 4 Tagen bessert ,darf nicht ignoriert werden. Wenn deine Brustwarzen zu schmerzen beginnen, nachdem du schon längere Zeit problemlos gestillt hast, könnte das auf eine Pilzinfektion an der Brustwarze hinweisen.

13) Stillen ist kraftraubend und zehrt die Mutter aus, „das Kind saugt die Mutter aus“.

Tatsache :Dein Körper hat während der Schwangerschaft für die Stillzeit ein Polster angelegt. Deshalb erleichtert das Stillen deine Gewichtsreduktion. Ein Kind zu haben ist anstrengend, egal ob man stillt oder nicht. Du solltest darauf achten, dass du nicht zu kurz kommst. Meist denken Mütter zuletzt an sich selbst. Baby, Kinder, Ehemann und Haushalt haben Vorrang. Da hilft es, sich selbst auch etwas Gutes zu tun. Ein Mittagsschlaf zum Beispiel ist kein Luxus sondern eine Pflichtübung für eine junge Mutter. Unabhängig davon, ob du stillst oder nicht. Muttersein bedeutet Präsenz 24 Std. am Tag, 7 Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr - ohne gesetzlich geregelte Ruhephasen. Das wird keinem Arbeitnehmer zugemutet.

14) Die Mutter sollte nicht als Schnuller für das Kind dienen.

Tatsache :Im ursprünglichen Plan der Natur liegt das Trösten und die Erfüllung des Saugbedürfnisses an der Brust. Schnuller oder Beruhigungssauger sind Erfindungen unserer modernen Zeit, kein Kind braucht sie. Sie sind lediglich ein Ersatz für die Mutter, wenn sie nicht da sein kann. Lasse dein Kind ruhig an der Brust einschlafen. Dies gibt den Kindern ein sicheres Gefühl von Geborgenheit. Das Urvertrauen wächst und das nuckeln nach der Mahlzeit fördert die Verdauung.

15) Langes Stillen - über ein Jahr hinaus - verzieht die Kinder.

Tatsache :Die Globale Strategie der Säuglingsernährung empfiehlt weltweit ein ausschließliches Stillen in den ersten sechs Monaten sowie ab dem sechsten Lebensmonat Zufüttern von geeigneten Nahrungsmitteln mit weiterem Stillen bis zu zwei Jahren und länger. Wie lange ein Kind gestillt wird, sollte jede Familie für sich entscheiden. Jede Industriegesellschaft scheint einen eigenen Mythos zu haben, warum nicht länger gestillt werden darf: in Deutschland sind es die Schadstoffe, in England werden die Kinder homosexuell (egal welchen Geschlechts), in Amerika ist es sexueller Missbrauch. Studien zu den Behauptungen fehlen.

16) Stillen in der Öffentlichkeit ist eine Schande.

Tatsache :Eine Schande ist hingegen, dass Mütter, die ihre Babys stillen, erniedrigt und belästigt werden. Frauen, die versuchen, das Beste für ihre Babys zu tun, sollten das unbehelligt tun können. Diejenigen, die dieser Anblick stört, brauchen nur wegzuschauen. Kinder werden nicht psychologisch geschädigt, wenn sie eine stillende Frau sehen. Im Gegenteil, sie können dabei etwas Wichtiges, Schönes und Faszinierendes lernen.

17) Ein Kind bis zum Alter von 3 oder 4 Jahren zu stillen, ist abnormal und schädlich für das Kind.

Tatsache :Stillen bis zum Alter von 2-4 Jahre war in den meisten Kulturen die Regel, seit der Mensch auf diesem Planeten ist. Erst in den letzten 100 Jahren begann man, Stillen als etwas anzusehen, dem man eine Grenze setzen muss. Kinder die bis ins dritte Lebensjahr gestillt werden, sind nicht zu abhängig. Im Gegenteil, sie neigen dazu, sehr selbstsicher zu sein, und sind daher unabhängiger.

18) Stillen ist Schuld an allem.

Tatsache :Die Familienmitglieder, das Gesundheitspersonal, Nachbarn und Freunde werden dem Stillen die Schuld geben, wenn du oder dein Kind müde, nervös, weinerlich oder krank seid. Wann immer etwas eintrifft, das nicht in das Bilderbuchleben hineinpasst, wird der Mutter von jedermann geraten, dass es besser sei, mit dem Stillen aufzuhören. Hör nicht auf sie! So lange Mutter und Kind sich in der Stillbeziehung wohl fühlen, gibt es nichts gegen das Stillen einzuwenden.


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