Stillgruppe Pauline
    
   


  

Stillprobleme

Bei allen Schwierigkeiten, die auftreten können, wende Dich an Deine Hebamme, die Dich im Wochenbett begleitet oder an eine Stillberaterin, auch in der Stillgruppe erfährst Du Unterstützung und praktische Hilfe. Wichtig ist, dass Du nicht gleich "die Flinte ins Korn wirfst" sondern Dich ruhig an die entsprechende Stelle wendest. Hier aber schon einmal einige unkomplizierte Erste-Hilfe-Maßnahmen, die Dir eine gewisse Sicherheit geben, mit der entsprechenden Situation entspannt umzugehen




Erste Hilfe bei wunden Warzen:


Eine anfängliche Reizung der Brustwarzen ist ganz normal. Das Saugen des Kindes ist eine ungewohnte Beanspruchung der Brustwarzen und somit kann man die Beschwerden als eine Art Muskelkater ansehen, sie sollten jedoch nach 4 Tage verschwunden sein. Starke Schmerzen während des Trinkens Deines Kindes signalisieren dagegen meist, dass Dein Kind nicht richtig an der Brust liegt und deshalb nur den vorderen Teil der Brustwarze zu fassen kriegt. Diese wird mit seinen Zahnleisten "traktiert", was grässlich schmerzt und in kurzer Zeit zu wunden oder rissigen Brustwarzen führt. Deshalb ist die beste Prophylaxe gegen wunde oder rissige Brustwarzen das richtige Anlegen. Nach dem Anlegen lässt Du das Speichel-Muttermilch-Gemisch auf der Brustwarze an der Luft antrocknen. Wenn Du Stilleinlagen gebrauchst, bevorzuge welche aus Naturmaterialien. Diese sind luftdurchlässig. Benutze zur Pflege der Warzen keine Seifen, Cremes und Kosmetika. Wechsele im Laufe des Tages die Stillpositionen.

Wenn es doch einmal passiert, versuche folgendes: Als allerwichtigste "Therapie" ist, die Ursache zu beseitigen. Kontrolliere die Stillposition von Dir und Deinem Kind. Liegst oder sitzt Du bequem? Sind Deine Arme und der Rücken gut abgestützt? Liegt Dein Kind richtig? Denke an die Linie Ohr, Schulter und Hüfte. Ist es gut abgestützt? Kontrolliere seine Trinktechnik und korrigiere sie bei Bedarf. Ist alles korrekt, wechsele bei jedem Anlegen die Stillposition, damit die Brustwarze nicht stets an der selben Stelle belastet wird. Lege zuerst an der gesunde Seite an um den großen Hunger Deines Kindes zu stillen und wechsele dann nach ca. 5 Minuten an die wunde Brustwarze. Somit ist der Milchspendereflex schon ausgelöst und Dein Kind saugt nicht mehr so kräftig an der wunden Warze. Wenn beide Brustwarzen schmerzen, Dein Kind zu den ungeduldigen gehört, die auf Verzögerung ärgerlich reagieren, stimuliere die Brust vorher, indem Du die Brust massierst, etwas Milch von Hand ausdrückst oder abpumpst. So kannst Du Deine Milch zum fließen bringen und Dein Baby braucht nicht so kräftig zu saugen und bekommt gleich Deine Milch. Hilfreich ist auch, Dein Kind anzulegen, bevor es vor Hunger weint und zappelig ist, eventuell weckst Du es zum Stillen bevor Deine Brüste zu prallvoll werden, damit Dein Kind Brustwarze und -warzenhof gut in den Mund nehmen kann. Lasse viel Luft an Deine Warzen und hier ist besonders wichtig ein Tropfen Muttermilch auf den Warzen zu verstreichen und antrocknen zu lassen. Beim Anlegen und dem damit verbundenen Schmerzen versuche nicht die Zähne zusammenzubeißen, da Du dadurch den Milchspendereflex behindern kannst, sondern langsam aus zu Atmen wie unter der Geburt. Bei sehr wunden Warzen kann reines Wollfett (=Lanolin) den Heilungsprozess unterstützen. Dieses wird nach dem Stillen und antrocknen der Muttermilch dünn auf die sehr wunden Stellen verteilt und vor dem nächsten Anlegen nicht abgewischt. Auf jeden Fall konsultiere Deine Hebamme oder Stillberaterin. Bei sehr starken Schmerzen kann eine Anlegepause Dir über die schlimmste Zeit hinweg helfen. In der Zeit, wo Du nicht anlegst, musst Du aus den Brüsten die Milch mit der Hand oder einer elektrischen Pumpe gewinnen. Dein Kind bekommt die abgepumpte Milch per Becher oder Löffel zugefüttert.



Der "Milcheinschuss", gefürchtete Brustdrüsenschwellung

Der Milcheinschuss ist der Beginn der Umwandlungsphase des cremigen, immunstoffreichen Kolostrums in reife Frauenmilch. Wenn Du gleich nach der Geburt mit dem Stillen beginnst, kann es sein, dass Du den Milcheinschuss gar nicht spürst. Vielleicht hast Du aber pralle, sehr warme Brüste, die stark schmerzen. Die Brust braucht genau wie Mutter und Kind eine Anlaufphase, in der sie sich an ihre neue "Arbeit" gewöhnt. So kommt es, das sich Deine Brust vielleicht auch nach dem Stillen noch voll und eventuell gespannt anfühlt. Du hast nicht zuviel Milch, sondern das
Brustdrüsengewebe schwillt durch die starke Durchblutung und die vermehrte Gewebsflüssigkeit stark an. Wichtig ist jetzt für Dich, die vorhandene Milch so häufig wie möglich durch das Anlegen Deines Kindes zu leeren, damit die Schwellung nicht zu stark bzw. zum Abklingen gebracht wird. Durch die oben beschriebene Schwellung können die Milchgänge etwas zusammengepresst oder blockiert werden und damit wird der Milchfluss erschwert. Bereite Deine Brust mit der Auflage von feuchtwarmen Umschlägen für 3-5 Minuten vor, da Wärme das Fließen der Milch erleichtert. Je voller die Brust, desto kürzer werden die Brustwarzen. Dein Baby kriegt sie deshalb nur schwer oder gar nicht zu fassen. In dem Fall solltest Du vor dem Anlegen nach der Wärme etwas Milch ausmassieren oder auspumpen bis der Warzenvorhof so weich ist, dass Dein Kind problemlos trinken kann. Empfindest Du auch nach dem Anlegen noch eine unangenehme Spannung, kühlst Du sie für ca. 20 Minuten. Zur Kühlung stehen Dir verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Geeignet sind Eisbeutel, Beutel mit gefrorenen Erbsen oder Kirschkerne (Gefrorenes vorher mit einem trockenen Tuch umwickeln), Quarkwickel, kalte Kohlwickel oder kalte, nasse Tücher.
Bei allen Schwierigkeiten versuche gelassen und entspannt zu bleiben. Sage Dir immer wieder, dass es ein natürlicher Vorgang ist, der nach ein bis zwei Tagen vorüber ist, sobald die neue Funktion der Brust sich etwas eingespielt hat. Gönne Dir soviel Ruhe wie möglich und schränke vor allen Dingen auch den Besuch in dieser sensiblen Phase ein.



Stau auf der Milchstraße


Nutze die Zeit unter der Dusche Deine Brust immer mal wieder auf Knoten oder rote Stellen hin zu untersuchen. Dies sind die ersten Anzeichen eines beginnenden Milchstaus. Jetzt kannst Du sofort reagieren und mit den Gegenmaßnahmen beginnen. Die Milch muss weiter fließen, bzw. der betroffene Milchgang entleert werden, damit sich keine Bakterienherde bilden. Dazu legst Du Dein Kind an der betroffenen Seite zuerst an, wähle eine Stillposition bei der der Unterkiefer Deines Babys zu der gestauten Stelle weist. Vor dem Anlegen wärmst Du die betroffene Stelle mit einem warmen Waschlappen oder unter der Dusche an, damit sich das Gewebe auflockert. Eine sanfte Brustmassage (betroffene Stelle aussparen) lässt die Milch leichter fließen. Die gestaute Stelle nach Einsetzen des Milchspendereflexes ganz sanft in Richtung Brustwarze ausstreichen. Ausstreichen darf nicht schmerzen. Wiederhole den Vorgang alle 2 Stunden bis Besserung eintritt. Trinkt Dein Kind nicht oder nicht ausreichend, musst Du die Brust mit der Handpumpe oder durch Ausmelken mit der Hand entleeren. Anschließend kühlst Du die Brust wie unter Milcheinschuss beschrieben um die Neubildung der Milch zu reduzieren.
Häufig bemerkst Du den Milchstau aber erst durch Anzeichen wie schmerzende, gespannte, gerötete Brust oder einzelne Stellen bzw. Knoten an der Brust, aber auch Symptome wie bei einem beginnenden Infekt: leichter Schüttelfrost, ansteigende Körpertemperatur, Kopf- und Gliederschmerzen. Darauf musst Du sofort reagieren, damit aus dem Milchstau keine Brustentzündung wird. Ruhe ist jetzt wichtig! Unternehme die gleichen Maßnahmen wie oben beschrieben und lege Dich in den Zwischenzeiten hin. Jetzt ist nur die Behandlung Deiner Brust und Ruhe wichtig! Alles andere kannst Du in den nächsten Tagen noch erledigen. Trinke ausreichend. Bei den ersten Anzeichen setze Dich, wenn möglich, mit Deiner Nachsorge-Hebamme oder Stillberaterin in Verbindung. Bei allen Gegenmaßnahmen solltest Du Dir auch Gedanken über die Ursache eines Milchstaus machen. Hast Du die für Dich zutreffende Ursache erkannt, kannst Du sie vermeiden und dadurch einen erneuten Milchstau verhindern. Welche Ursachen kommen in Frage? Durch Stress (z.B. zuviel Besuch, Du mutest Dir zuviel zu, kannst die Hausarbeit nicht liegen lassen), Unsicherheit (oft geschürt durch gut gemeinte Ratschläge von Müttern, Schwiegermüttern, Schwestern, Freundinnen etc., die glauben es besser zu wissen) und Ängste ( Habe ich genug Milch?, wird mein Kind davon satt?, Schaffe ich das alles? Etc.), kannst Du Deinen Milchspendereflex hemmen. Die Brust ist prall gefüllt und tut weh. Hier ist der wichtigste Ratschlag Stressreduzierung. Versuche Dich gegen die ungewollten Ratschläge abzugrenzen. Hole Dir Unterstützung bei Deiner Hebamme oder Stillberaterin. Vielleicht hat Dein Kind aber auch seltener getrunken, es hat vielleicht in der Nacht länger geschlafen und die Brust ist übervoll, oder Du hast verstärkt in einer bestimmten Stillposition angelegt, so dass ein bestimmter Teil der Brust nicht entleert wurde. Achte in den nächsten Tagen darauf, dass Deine Brust nicht übervoll wird, massiere im Bedarfsfall etwas Milch aus um die Brust zu entlasten. Wechsele die Stillpositionen im Laufe des Tages um eine gleichmäßige Entleerung der Brust zu erreichen. Durch Druck auf einen Milchgang z.B. durch einen zu eng sitzenden BH oder enger Kleidung und Tragetuch oder Tragesack, kann es ebenfalls zum Milchstau kommen. Überprüfe, ob Deine Brüste weder durch Kleidung, BH noch durch das Kind im Tragetuch eingeengt werden. Sollte die Ursache in zu viel Milch liegen, lese bitte im Kapitel "zuviel des Guten" über geeignete Maßnahmen zur Reduzierung nach.



Hilfe, eine Brustentzündung


Vom Milchstau zur Brustentzündung sind die Grenzen fließend. Wenn Keime in die gestaute Milch eindringen, entsteht eine Entzündung. Wenn die unter Milchstau angeführten Maßnahmen innerhalb von 24 bis 48 Stunden keine Besserung bringen, oder Dein Zustand sich noch verschlechtert, setze Dich unbedingt mit Deinem Arzt in Verbindung, da die erkrankte Stelle sonst zu vereitern (Abszess) droht. Auch eine Brustentzündung heilt besser und schneller, wenn Du weiterstillst! Auch wenn Du ein Antibiotikum einnehmen musst, kannst Du weiterstillen, denn es sind unbedenkliche Mengen, die über die Milch zum Kind gelangen. Weise Deinen Arzt darauf hin, dass Du weiterstillen möchtest, Dein Arzt verschreibt Dir dann ein stillfreundliches Antibiotikum. Manche Ärzte empfehlen noch immer bei einer Brustentzündung das Abstillen. Im Zweifelsfall kannst Du bei einer Stillberaterin eine zweite Meinung einholen.



Zu viel des Guten

Auch das gibt's: Deine Milch fließt so reichlich, dass Dein Kind sich daran verschluckt. Es lässt immer wieder die Brust los (oft spritzt die Milch aus Deiner Brust), wehrt sich manchmal beim Anlegen, schreit vermehrt und leidet unter Blähungen. Auf keinen Fall solltest Du jetzt Deine Brust leer pumpen, sonst vermehrt sich der Segen noch. Versuche folgende natürliche Mittel: Trinke z.B. zwei bis vier Tassen Pfefferminz- oder Salbeitee über den Tag verteilt. Kühle Deine Brust nach dem Stillen für 20 Minuten. Wähle eine Stillposition, wo Dein Kind eine aufrechte Haltung einnimmt (abgewandelter Rückengriff: Dein Kind sitzt im Hoppe-Reiter-Sitz vor Deiner Brust) oder sogar auf die Brust hinabschaut (Indem Du Dich während dem Stillen etwas nach hinten neigst), so das die Milch gegen die Schwerkraft fließen muss. Ebenfalls hilfreich kann es sein, dass Du Dein Kind in einem Zeitraum von mindestens 4 Stunden oder auch länger, immer wenn Dein Kind trinken möchte an die gleiche Seite anlegst. Dabei darfst Du nicht Deine zweite Brust vernachlässigen, massiere oder entleere an dieser Seite immer soviel Milch aus, bis die Brust nicht mehr spannt. In der Regel hat sich nach zwei, spätestens drei Tagen alles wieder auf die richtige Milchmenge eingependelt.



Zuwenig Milch - So bildet mein Körper mehr Milch


Manchmal kann es vorkommen, dass mehr Milch gebraucht wird. Bei allen Kindern kommt es immer wieder mal zu größeren Entwicklungsschüben: meistens im Alter von zwei und sechs Wochen und dann wieder nach drei und sechs Monaten. Dein Baby will plötzlich öfter an die Brust als gewohnt. Natürlich gibt es auch noch andere Ursachen, wenn die Milch nicht reicht. Setze Dich bei Unsicherheiten mit einer Stillberaterin in Verbindung, die mit Dir die möglichen Ursachen abklären kann. Auf jeden Fall kannst Du mit den folgenden Ratschlägen Deine Milchmenge steigern: Lege Dich mit Deinem Kind ins Bett, denn Du brauchst viel Ruhe und Entspannung. Meist geht das nicht ohne Unterstützung durch den Partner oder einer dritten Person. Kuschele mit Deinem Kind, ziehe Dein Baby bis auf die Windel aus und nehme es an die nackte Brust, trage keinen BH, damit Deine Brust nicht eingeengt wird und Platz hat. Lege Dein Kind alle 2 Stunden an die Brust und wechsele während der Stillmahlzeit mehrmals die Seiten. Trinke ausreichend nach Deinem Durstgefühl und esse ausgewogen und regelmäßig. Auch hier gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage und meist steigert Dein Organismus in zwei bis drei Tagen die Milchmenge.

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